Kirchliche Dokumente zu Friede und SicherheitÜber die Dokumentsammlung zu Friede und Sicherheit des Institut für Religion und Frieden sind Dokumente von Kirchen und kirchlicher Institutionen im Volltext in mehreren Sprachen abrufbar. Derzeit in der Datenbank enthaltene Dokumente: 1823. |





Vom 17.- 19. November 2009 veranstaltete die Österreichische Katholische Militärseelsorge ein Seminar auf dem Iselsberg zum Thema Star Trek für Auslandseinsatz. Unter Leitung von Militärkurat Stefan Gugerel von der Heeresunteroffiziersakademie in Enns gaben Mediziner, Physiker, Sprachwissenschaftler, Historiker und Theologen Einblicke in politische, militärische und ethische Bezüge der Star-Trek-Fernsehserien und Kinofilme.
Der ausgewiesene Science-Fiction-Kenner Robert Hector gab einen Überblick über die Geschichte der Science Fiction in Roman und Film. Science Fiction steht für den Aufbruch in unbekannte Welten, außen wie innen, für die Konfrontation mit dem Fremden, aber auch für die Suche nach der Definition des Menschen und seiner Stellung im Universum. Nach einer bemerkenswerten Definition von Leslie Fiedler ist der Mythos der Science Fiction der Traum der Apokalypse, der Mythos vom Ende des Menschen, von der Transzendenz und Transformation des Menschlichen.
Stefan Gugerel zeigte anhand ausgewählte Science fiction Filme vor allem des Nicht-US-Kinos, wie leicht Ideologien im Science-Fiction-Genre als realistische Lebensmodelle bzw. als Kritik am Mainstream dargestellt werden können.
Gernot Grömer vom Österreichischen Weltraumforum ging auf den wechselseitigen Ideentransfer zwischen Science Fiction und Naturwissenschaften ein. Sogar die Europäische Weltraumbehörde (ESA) versucht im Rahmen eines Projekts Ideen aus Science-Fiction-Filmen auszuwerten, die zu technologischen Innovationen beitragen könnten. Bereits jetzt leben wir in einer Science-Fiction-Welt, verglichen mit den Standards früherer Zeiten. Als Beispiele für bereits verwirklichte oder in naher Zukunft durchaus realisierbare Projekte mit Science-Fiction-Bezug nannte Grömer insektengroße Unmanned Arial Vehicles, Ideen für einen Weltraumlift, molekulare Maschinen (Naniten), künstliche Haustiere, Pflegeroboter, Kontaktlinsen mit eingebautem Display, Wetterkontrolle und Terraforming.
Christian Wagnsonner vom Institut für Religion und Frieden versuchte militärische Dimensionen der Serien herauszuarbeiten. Star Trek thematisiert eine Vielzahl militärischer Konflikte, mit denen sich die Armeen auf der Erde heute in ganz ähnlicher Weise herumschlagen müssen: Verteidigungskriege, Bürgerkriege, humanitäre Interventionen, Besatzung, Terror und seine Bekämpfung, Piraterie usw. Nicht selten beziehen sich einzelne Episoden auf ganz konkrete aktuelle oder historische Konflikte wie den Vietnamkrieg, den Kalten Krieg, den Nordirlandkonflikt oder den War on Terror, dem die Serie „Enterprise“ praktisch eine ganze Staffel widmet. Problematisch ist in diesen Episoden eine gewisse Tendenz, im Zusammenhang der Bekämpfung radikaler Bedrohungen auch rechtlich und moralisch verbotene Mittel (wie Mord oder Folter) zu legitimieren.
Otta Wenskus vom Institut für Sprachen und Literaturen der Universität Innsbruck sieht die meisten Themen der Science-Fiction-Literatur bereits in antiken Schriften behandelt (z. B. außerirdische Lebensformen, Roboter). Wirklich neu ist das Thema „Zeitreisen“ mit der Möglichkeit, die Vergangenheit zu verändern, was in der Antike nicht einmal den Göttern zugetraut wurde. In den Star-Trek-Filmen und -Serien findet sich eine Vielzahl antiker Bezüge, wobei nicht immer leicht zu erkennen ist, ob es sich wirklich um absichtliche und bewusste Rezeption handelt. Sicher der Fall ist das bei der Konzeption der Spezies der Vulkanier, die neben fernöstlichen und jüdischen Elementen viele Bezüge zur antiken v.a. römischen Kultur und zur stoischen Philosophie aufweisen. Die mit ihnen verwandten Romulaner gründen ein Großreich, ausgehend von den Zwillingsplaneten Romulus und Remus. Der romulanische Bösewicht aus dem elften Kinofilm heißt Nero und trägt Züge eines Widersachers aus der Äneis.
Werner Suppanz vom Institut für Geschichte der Universität Graz zeigte auf, wie die einzelnen Star-Trek-Serien sicherheitspolitische Gegebenheiten und Konzepte abbilden bzw. thematisieren. In der Originalserie scheint in zahlreichen Folgen der Kalte Krieg zwischen Ost und West durch. Die Föderation der Planeten steht für den Westen, während das Klingonische Reich an die Sowjetunion und die Romulaner an die Chinesen erinnern. In der Episode „Errand of mercy“ wird der Kalte Krieg ironisiert: Im Zug eines Stellvertreterkonflikts geraten Klingonen und Föderation an überlegene Lichtwesen, die ihnen gehörig die Meinung sagen. Die Next Generation trägt einer komplexeren sicherheitspolitischen Situation Rechnung: Klingonen und Föderation haben sich einander angenähert, und das Klingonische Reich wird von inneren Konflikten erschüttert. Die Oberste Direktive der Sternenflotte, die eine Nichteinmischung in die Angelegenheiten (unterlegener) fremder Zivilisationen fordert, rückt stärker in den Blickpunkt des Interesses. Die biologistische und evolutionistische Sicht bleibt allerdings hier und auch in Deep Space 9 wenn auch in abgeschwächter Form erhalten. Immerhin werden differenziertere historische Erklärungen zugelassen, v.a. in der Deutung des regionalen Konflikts zwischen Cardassianern und Bajoranern. Die bislang letzte Star-Trek-Fernsehserie „Enterprise“ zeigt eine stärkere Neigung zu gewaltsamen Konfliktlösungen und eine stärkere Militarisierung v.a. vor dem Hintergrund der Anschläge des 11. September (kurz nach dem Sendestart) und des War on Terror als Reaktion darauf.
Oliver Gross von der Evangelischen Militärseelsorge betonte den friedlichen Charakter der Missionen der Enterprise. Anders als in vergleichbaren Science-Fiction-Serien geht es nicht in erster Linie um Kampfszenen, sondern um einen Forschungsauftrag und um den Vorrang friedlicher Formen der Konfliktlösung. Innerhalb der Föderation herrscht Friede, die Geldwirtschaft ist abgeschafft, es gibt keine Ernährungsprobleme und die Föderation ist kein faschistisches politisches System, wie man es in vielen anderen SF-Zukunftsszenarien findet. Die Oberste Direktive der Nichteinmischung in fremde Zivilisationen verliert in den späteren Serien an Bedeutung. Besonders interessant erscheint in diesem Zusammenhang die Episode der Next Generation „Who watches the watchers?“, in der die Enttarnung eines Beobachtungspostens der Föderation auf einem fremden Planeten schließlich in Ereignissen mündet, im Zuge derer die dortigen Bewohner Captain Picard als Gott verehren und dieser sich fragen muss, ob er diesen Status dazu verwenden soll, die anstehenden Probleme zu lösen. Die Aufwertung des Religiösen v.a. ab Deep Space 9 ist vor allem Ronald D. Moore zu verdanken. So nimmt etwa Sisko, der Kommandant auf Deep Space 9, religiöse Unruhen sehr ernst. Moore hat später in einer sehr bemerkenswerten eigenen Serie Battlestar Galactica manche der ab Deep Space 9 erkennbaren neuen Tendenzen fortgeschrieben.
Gerhard Marchl vom Institut für Religion und Frieden legte am Beispiel von EUFOR Tchad/RCA die Problemlage bei militärischen Interventionen heute dar. Die EU-Operation im Tschad und der Zentralafrikanischen Republik von März 2008 bis März 2009 habe, so Marchl, ihren Hauptzweck erfüllt, nämlich die Sicherheitslage der Flüchtlinge zu verbessern. Der Einsatz sei im Einklang mit der UN-Charta gestanden und angesichts der humanitären Katastrophe notwendig gewesen. Weitgehend habe er auch den in Verträgen und Strategiepapieren der EU verankerten Werten und Zielen entsprochen. Der Beitrag von EUFOR Tchad/RCA zu einem dauerhaften Frieden in der Region sei jedoch – auch aufgrund des begrenzten Mandats – eher bescheiden gewesen.